Erste historische Erwähnung

Die Ortsbezeichnung Silenen weist auf den keltisch-romanischen Stamm «selino» hin und bedeutet langer, bebauter Landstreifen. Der Fluss – die heutige Reuss – wurde nach der gleichnamigen Göttin «Sila» die Mächtige, das angrenzende «Silana» benannt. Urkundlich wird Silenen erstmals 857 erwähnt, als König Ludwig der Deutsche, dem Priester Berold die Kapelle St. Peter in Zürich und jene in Uri zu Bürglen und Silenen zu Lehen gab. Die Landgüter von Silenen bis Göschenen waren mehrteils Besitztümer des Klosters Fraumünster in Zürich. Bis 1365 dauerte das ritterliche Ministerialiengeschlecht der «von Silenen». 1426 erwarben die Silener Kirchgenossen vom Fraumünster das Meieramt und das Recht, ihrer Kirche selbst einen Priester zu verleihen. 1623 erfolgte die Abkurung von Göschenen und Wassen, 1902 Gurtnellen und der heutigen Silener Filialen Amsteg und Bristen.


Die „Edlen Freiherren von Silenen“

Im Dörfli, dem sogenannten Obersilenen, ein Weiler von nationaler Schutzwürdigkeit, erhebt sich die 5-stöckige Turmruine – erbaut ca. 1240 – der «Edlen Freiherren von Silenen», die als sogenannte Meier amteten und die Einzüge von Zehnten und Zinsen an das Fraumünster besorgten. Der erste Meier, 1243 – 1258, war Ritter Werner, dann Ritter Arnold, 1290 – 1294, zugleich Landammann von Uri und Mitbeschwörer des Ewigen Bundes 1291 auf dem Rütli. Der erste, 1251 nachweisbare Landammann von Uri, war Burkhard Schüpfer, von der Schüpfen zu Silenen. Aus diesem Stamm der «von Silenen», der sich nach Schwyz, Luzern und Wallis ausbreitete, ging auch Jost von Silenen hervor, der in Rom Theologie studierte, zum Priester geweiht Probst zu Beromünster wurde, dann königlicher Rat Ludwig XI., franz. Gesandter in der Schweiz, Bischof und Parlamentspräsident von Grenoble, schliesslich Bischof von Sitten und Graf und Präfekt vom Wallis. In den Wirren der Vorreformationszeit wurde er abgesetzt und starb erst 53-jährig, als Verbannter 1498 in Frankreich. Seine Brüder: Andreas, Domherr zu Sitten, wurde daselbst hinter dem Hochaltar ermordet; Albin, der Heerführer in den Feldzügen ins Eschental, erlag in Verzelli an der Seuche. Mit dem ersten Gardehauptmann zu Rom, «Kaspar von Silenen», gestorben 1562, erlosch das ruhmreiche Familiengeschlecht. Mit der 1081 erstmals urkundlich erwähnten 14-Nothelfer-Kapelle dürften damals nebenan auch die ersten «von Silenen» und späteren Meier des Frauenklosters, Felix und Regula in Zürich, mit dem Bau eines Wohnturmes begonnen haben. Die 1666 nach einem Brand wieder hergestellte Kapelle erweist sich heute, nach Abschluss der Renovationsarbeiten, als ein Gotteshaus von erhöhter Rangordnung, nachdem unter mehreren Übermalungen, namentlich im Chorbereich, Fresken aus dem 16. Jahrhundert zutage traten.


Sakrale Baukunst

Ins frühe Mittelalter wiesen aufgedeckte Bestände von Mauern, die 1966 anlässlich der Restauration der Pfarrkirche St. Albin in Silenen bei archäologischen Teilgrabungen zutage traten. Mauerreste eines romanischen Gotteshauses aus dem 7. Jahrhundert und späterer Nachfolgebauten kamen zum Vorschein. Laut dem Fachexperten, Dr. H.R. Sennhauser, Archäologe, nimmt Silenen eine Schlüsselposition für die Geschichte des Christentums im Lande Uri und der gesamten Innerschweiz ein. Demnach bestand vor der Erwähnung eines Priesters (857) eine Kapelle am Standort der heutigen restaurierten Pfarrkirche aus dem Jahre 1786. Sie ist ein Meisterwerk des Barocks, ausgestattet mit 3 wertvollen Altären, darunter jener Hochaltar von der Sekinger-Künstlerfamilie Jodok Ritz, der aus der Vorgängerkirche übernommen wurde. Schliesslich die Deckengemälde vom süddeutschen Meister Ignaz Weiss, die in hervorragender Stückausstattung umrahmt sind. Die im Jahre 1511 erbaute und 1723 durch die Kirchenrüfe teils zerstörte und wiederaufgebaute Friedhofkapelle, birgt einen spätgotischen Altar. Erwähnenswert sind die Kapellen St. Anton im Dägerlohn und St. Ursula (Ellbogenkapelle) auf der Stetten, die unter den heutigen Deckengemälden solche des bekannten Kirchenmalers Friedrich Schrötter, aus Freiburg im Breisgau, bergen sollen. Schrötter hat auch für die damalige Pfarrkirche in Silenen und für das Beinhaus Gemälde geschaffen.


Bergbau

Seltsame Zeiten erlebte das Maderanertal während der Bergbauepoche mit der Dynastie der Madran. Als Überlieferung und Würdigung erhielt das frühere Rupletten- oder Kerstelental den Namen Maderanertal. Die Madran stammten aus dem gleichnamigen Dörfchen Madrano bei Airolo und kamen im 15. Jahrhundert nach Altdorf, wo Peter Madran 1509 das Urner Landrecht erhielt. Der bedeutendste Bergherr unter ihnen war Hans Jakob, Hauptmann im Regiment Beroldingen, Kirchmeier von Altdorf und 1587 Tagsatzungsgesandter in Luzern. 1576 erhielt er mit Romanus Bässler an der Landsgemeinde zu Bötzlingen für 100 Jahre das alleinige Bergbaurecht in der Gemeinde Silenen, sei es auf Gold, Silber, Kupfer, Blei, Eisen und alle Erze und Metalle. Die Abbaustellen auf Eisenerz befanden sich vorwiegend im Windgällengebiet des Maderanertales, sowie am Westhang des Bristenstockes. Das Erz wurde in Obermatt zu Hinterbristen geschmolzen, wo sich noch heute der im Jahre 1966 restaurierte Schmelzofen befindet. Das Umfassungsmauerwerk misst 8 x 8 Meter, die Ofenhöhe 7.4 Meter, der innere Ofenhohlraum 2.1 Meter. Es ist der grösste Schmelzofen aus dieser Epoche in der Schweiz. Die Eisenmassen wurden nach Amsteg in die grosse Hammerschmiede, die im Mühlemätteli stand, transportiert, daraus wurden verschiedene Werkzeuge, Kugellehren, sogar Granatmodelle für Kriegswerkzeuge hergestellt. Nach Peter Madran, gestorben 1631, sind einige Silener Bergherren nachgewiesen, bis die Wasserkatastrophe 1843 mit der Zerstörung der Werkanlagen – ausser dem Schmelzofen in Bristen – der Bergbauepoche ein Ende setzte.

Berühmt geblieben bis auf den heutigen Tag sind das Maderanertal und seine nähere Umgebung wegen den Vorkommen von Kristallen und seltenen Mineralien. Gar die alten Strahler von Bristen und solche aus dem Ried haben einen guten Namen hinterlassen. In vielen Museen in Europa sind wertvolle und seltene Fundstücke aus dem Maderanertal zu bewundern, die den Namen eines Bristner- oder Riederstrahlers als Finder nachweisen. In Amsteg gibt es noch zwei Strahler, die sich von diesem Erwerbszweig ernähren und sich im Besonderen um die Mineralien in der Gemeinde Silenen bemühen.


Saumwesen

Vom ehemaligen Saumweg zum Gotthard, von dem noch Zeugen im Dörfli mit der Sust – erstmals 1354 urkundlich erwähnt – vorliegen, sind auch in den sogenannten Rainen zu Amsteg – früher «Am Stäg» – zu finden. Er führt an der ehemaligen Silener-Filialkapelle Hl. Kreuz vorbei, die schon im Jahre 1504 mit Ablässen bedacht wurde. Von ihr sind noch die Stockmauern mit den beiden spätgotischen Sandsteinportalen erhalten. Sie wurde im Jahre 1788 bei Föhnsturm ein Raub der Flammen; beinahe das ganze Dörfchen lag zugleich in Asche. Die heutige geräumige Pfarrkirche Hl. Kreuz an der Reuss stammt aus dem Jahr 1860 und wurde 1971 renoviert. In Amsteg bilden die markanten Gasthäuser das Dorfgepräge, wo unter anderem auch Goethe bei seinen Schweizerreisen abstieg. Im Mühlemätteli stand schon um 1580 Madranos Hammerschmiede, die bis ins 18. Jahrhundert von weiteren Bergherren in Betrieb gehalten wurd

Das grösste Werk in Amsteg entstand jedoch in den Jahren 1918 – 1922 mit dem SBB-Kraftwerk, das mit seinen sechs Generatoren die Gotthardlokomotiven speist. Ab Amsteg ist der alte Saumweg, später als erste Karrspur nach dem Vorder- und Hinterried, zum Gotthard erhalten. An diesem Passweg steht die im Jahre 1661 erbaute und vor wenigen Jahren restaurierte St. Eligius-Kapelle, des Patrons der Schmiede und der Säumer.

Aus der Bergherrenepoche, Ende des 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts, sind noch mehrere sogenannte Gotthardhäuser in Blockbau anzutreffen. Sie zeichnen sich aus durch ihre Vorkragung über dem Kellergeschoss, abgestützt auf Bugen, mit gotischen Kielbögen, Friesen, Fensterverzierungen und Lauben beidseits. Dieser Baustil ist öfters in der politischen Gemeinde Silenen anzutreffen. Das älteste und noch bewohnte Gebäude ist das «Steinhaus» bei der Kirche in Silenen. In das turmartige Geviert wurde im 15. Jahrhundert ein Blockbau eingefügt. Das Mauerwerk zeigt romanischen Charakter, und seine Entstehungszeit dürfte in das 12. Jahrhundert reichen. Bevor der Gotthardpass bekannt wurde, führte von Nord nach Süd ein Passweg ab Dörfli-Silenen über das Fryenental nach Frentschenberg-Bristen, dann durch das Etzlital über den Chrüzlipass nach Sedrun-Disentis und Lukmanier. Mit der Gründung des Benediktinerklosters in Disentis im 7. Jahrhundert kam mit grosser Wahrscheinlichkeit die Christianisierung in das Land Uri (siehe Mauerfunde eines romanischen Gotteshauses im Bodenbereich der Pfarrkirche von Silenen). Wann Bristen im Maderanertal besiedelt wurde, bleibt noch eine offene Frage. Da aber im Zusammenhang archäologischer Forschungen im Jahre 1978 auf der «Zwing Uri» bei Amsteg Siedlungen aus der mittleren Broncezeit, also um 1500 v. Chr., nachgewiesen werden konnten und auch prähistorische und mittelalterliche Funde, wie z.B. Pfeilspitzen, an den Tag brachten, dann lag das früher genannte Kerstelental den Jägern und kleinen Ziegenbauern nahe genug, um es aufzusuchen. Am 28. März 1291 wurden aber bereits in einem Zinsrodel die Örtlichkeiten Luminon (Limi) in Chersolon (Kerstelen) von einem Wernherr von Konrad an den Abt Volker von Wettingen erwähnt. Um 1385 wird das Nutzungsrecht erneut bestätigt, dass das Fraumünster in Zürich, das schon im 9. Jahrhundert Güter in Uri besass, auf Golzern Vieh auftreiben dürfe.

Das erste kirchliche Wegzeichen in Bristen entstand 1668 in Frentschenberg, damals an der Kirchgass nach Silenen gelegen. 1732 folgte die St. Antonius-Kapelle auf dem Schild, am Wege in das Ried. Erst im Jahre 1782 wurde die Dorfkapelle «Maria zum guten Rat» als Kaplanenpfrund gebaut. Sie wurde 1911 abgebrochen und durch eine neue Kirche, nach den Plänen von Architekt A. Gaudy, Rorschach, auf dem Felsenhügel ersetzt. Die Einweihung erfolgte am 26. November 1911.

Mit dem Aufbau der ausgedehnten Hotelanlage SAC auf dem «Egg», zuhinterst im Maderanertal, entstand 1888 zugleich die Hl. Kreuz-Kapelle. Im Jahre 1948 wurde schliesslich die Bruderklausen-Kapelle auf der Sonnenterrasse Golzern erbaut.

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